Schon komisch, dass der Käse im Kühlschrank immer so lange braucht, bis er ausgewachsen ist! Aber wenn, dann sieht es doch einfach entzückend aus.

Daher sollen auf dieser Seite einfach mal ein paar adrette Schimmelkulturen vorgestellt werden, manche sogar im zeitlichen Verlauf. Guten Appetit!

Zaziki

Joghurt ist ja immer ein guter Schimmel-Nährboden. Wie der Zufall es wollte, wurde ich eines Tages auf eine Tupperdose Zaziki im Kühlschrank aufmerksam, die das belegt...

Zaziki von oben
Zaziki von der Seite
Zaziki von unten

Februar 2000: Auf der vorher weißen Soße ist eine feste, gelb-braune Hügellandschaft gewachsen. Darüber hat sich ein dichtes Netz aus grünen Gammelfäden an den Deckel gehaftet. Sieht von unten aber noch wie normales Zaziki aus.

März 2002: So eine Überraschung, als ich neulich in den Keller ging und dort die Exponate vom ersten Gammelreport wiederfand! Auch das Zaziki ist noch dabei - und es sieht noch fast so aus wie vor zwei Jahren. Der Grundton ist weiter ins Bräunliche gewandert und der Unterbau der Hügellandschaft hat sich in einen braunen Brei verwandelt. Die Hügel selbst sehen aber noch hübsch hügelig aus. Von unten kann man sogar nach wie vor die Gurkenstücke sehen! Vielleicht mache ich die Dose im nächsten Jahr mal auf...

Kartoffelsalat

Februar 2000: Im Frühjahr 2000 nahm ich eine Dose Kartoffelsalat unter die Lupe, damals ein halbes Jahr alt. Von außen sah das Ganze eigentlich noch harmlos aus, aber von innen...

Lecker Kartoffeln (2000)
Landschaft (2000)

Über die Kartoffeln in der einen Ecke hat sich großflächig ein flauschiger weißer Schimmel ausgebreitet, daneben sind sie von vielen kleinen blau-grünen Flecken bedeckt, und in der anderen Ecke sind es größere schwarze Pelzflecke mit weißem Rand.

März 2002: Vom ersten Augenschein her hat sich nicht viel verändert. Die Unterseite sieht ein wenig farbenfroher aus. Innen bietet sich ein interessantes Bild: Auch wenn es immer noch dunkle Lappen hier und helle Teppiche dort gibt, macht der Gammel einen homogeneren Eindruck. Man glaubt fast, Gehirn-ähnliche Strukturen zu erkennen. Wer weiß, in wenigen Jahren könnte daraus eine intelligente Lebensform hervorgehen... Ich werde sie „Patata“ nennen.

Außenansicht Kartoffeln
Kartoffeln von unten

Unbekannter Inhalt

Beim Recherchieren bin ich auf eine hohe Tupperdose unbekannten Inhalts gestoßen. Leider ist sie nicht beschriftet und ich kann mich nicht erinnern, sie vorher schon mal gesehen zu haben. Die Umrisse im Gegenlicht geben jedenfalls keinen Aufschluss.

Hilft nur eins: Aufmachen und reinkucken. Hat irgendwie komisch gerochen, aber noch komischer ausgesehen: Braun. Dunkelbraun. Und: Es scheint im Inneren Gammelzonen von unterschiedlicher Viskosität zu geben. An der einen Seite ein Gletscher, der sich kaum bewegt, gegenüber ein Areal fast flüssiger Gammelmasse.

Unbekannter Gammel
Brauner Gammel geöffnet
Brauner Gammel von oben

Beim Untersuchen habe ich direkt Appetit bekommen, aber da ich nicht weiß, was vorher drin war, habe ich mir den Probierhappen verkniffen. Zumal ich inzwischen kein Fleischfresser mehr bin und wir es ja vielleicht mit einem verflüssigten Steak zu tun haben.

Magermilch-Joghurt

Der Verpackungsaufdruck nennt als Verfallsdatum den 04.04. Vielen Dank, Milchindustrie! Und welches Jahr bitte? Den Joghurt hätte ich mir ja aus Versehen aufs Müsli kippen können!

Verfallsdatum ohne Jahr
Unscheinbar

Gemeint war wohl der 4. April 2000. Ich erinnere mich dunkel, eines Tages das gesammelte Gammelgut aus dem Kühlschrank zusammen entsorgt, sprich: im Keller verstaut zu haben.

Äußerlich ein normaler Joghurtbecher, fällt beim Transportieren das viel zu geringe Gewicht auf. Geht das überhaupt? Kann der Schimmelprozess Joghurt leichter machen oder gibt es irgendwo ein Loch? Große Spannung...

Tatsächlich bietet sich drinnen eine Überraschung: Ich hatte ein solides Joghurtfundament mit mannigfaltigen Schimmelarten darauf erwartet. Stattdessen ist der Becher gefüllt von einer braunen Suppe, in der feste Gebilde schwimmen. Fast wie eine Suppe mit Shiitake-Pilzen.

Joghurt offen
Braune Einblicke
Ein Joghurtkörper
Noch zwei Joghurtkörper

Obwohl ich nach dem Öffnen eine kleine Atempause einlegen musste, wollte ich das Innenleben doch genauer inspizieren und fischte die „Pilze“ heraus. Schon interessant, was ein Joghurt so treibt, wenn man ihn lässt. Ich kann kaum erwarten, was sich im zweiten Becher abgespielt haben wird, wenn ich ihn nächstes Jahr aufmachen werde.